Verführungen Plakate
aus Österreich und Deutschland 1914-1945:
Das Plakat ist als grafisches Medium dadurch gekennzeichnet, dass seine
Präsentation in keiner Weise mit einer Auratisierung durch das
Umfeld rechnen darf.
Es wird normalerweise nicht sorgfältig auf neutralen
Ausstellungswänden,
sondern auf von merkantilen Überlegungen bestimmten Parzellen
präsentiert.
Diese Anforderungen verlangen vom Plakat nicht nur
größtmögliche
optische Unverwundbarkeit, sondern auch die Kraft, den Blick des
Betrachters
dorthin zu lenken, wo auch immer es affichiert wurde. Im Rahmen der
Ausstellung
sollte zweierlei möglich sein: einerseits will jedes Exponat
für
sich betrachtet werden können, andererseits sollte die Kraft der
grafischen
Gestaltungen nicht in einer Kabinettpräsentation domestiziert
werden:
der Betrachter soll durch die Wahl seines Standortes auch mit
Überschneidungen
experimentieren und das Plakat in Konkurrenz zu anderen erfahren
können.
Der Blick soll dabei von den Exponaten gelenkt werden. Das Problem der
Präsentation
kehrt sich dadurch um: das Objekt soll dem Betrachter nicht gleich
näher
gebracht werden, sondern zunächst von ihm entfernt werden.